Montag, 13. März 2017

Antwort vom Bundesamt für Gesundheit auf den Brief an Bundesrat Alain Berset

Anerkennung der Arbeit im Pflegeberuf
 Sehr geehrte Madame Malevizia
Ihren Brief vom Januar 2017 an Herrn Bundesrat Alain Berset haben wir erhalten und danken Ihnen dafür. Er hat uns gebeten, diesen in seinem Auftrag zu beantworten. Sie stellen dem Bundesrat in Ihrem Brief verschiedene Fragen, auf die wir nachfolgend gerne eingehen.

Sie erwähnen den Leidensdruck, dem Pflegende bei ihrer Arbeit ausgesetzt sind und der nun zur Lancierung der Pflegeinitiative geführt hat. Dass Pflegende physisch und psychisch stark gefordert sind, ist auch für Menschen nachvollziehbar, die selbst keine Erfahrung als Pflegende haben. Der Pflegeberuf ist anspruchsvoll, der ökonomische Druck führt zu einer Verdichtung der Pflegeprozesses, das ist auch dem Bundesrat bewusst. Es braucht wirksame Massnahmen, damit Pflegefachkräfte lange und bei guter Gesundheit im Beruf bleiben.
Dazu hat der Bundesrat im vergangenen Dezember im Rahmen des Masterplans Bildung Pflegeberufe verschiedene Massnahmen verabschiedet, vor allem in der Langzeitpflege. Diese werden nun umgesetzt. Dazu gehören:

Erhöhung der Berufsverweildauer
Um das Personal im Beruf zu halten, will das Bundesamt für Gesundheit (BAG) die Arbeitsumgebung der Langzeitpflege verbessern: Die Fachkräfte sollen Rahmenbedingungen vorfinden, durch die sie sich mit dem Pflegeberuf und mit ihrem Betrieb identifizieren und dort länger bleiben. Als erstes sollen Instrumente entwickelt werden, um Aktualisierung zentrale Faktoren der Arbeitsumgebung und deren Einfluss auf die Berufsverweildauer zu messen. Anschliessend geht es darum, diese Instrumente in verschiedenen Institutionen der Langzeitpflege auf ihre Alltagstauglichkeit zu prüfen. Zum Schluss sollen Betriebe der Langzeitpflege, die sich verbessern wollen, bei der Durchführung eines strukturierten Optimierungsprogramms finanziell unterstützt werden.
Personal durch Imagekampagne und Wiedereinstiegsprogramm gewinnen
Unter der Federführung des Staatssekretariates für Bildung, Forschung und Innovation (SBFI) werden das BAG und die Organisationen der Arbeitswelt ab 2018 eine Kampagne lancieren, um das Image der Ausbildungen und der Karriere in der Langzeitpflege zu verbessern.
Zudem wird das SBFI im Auftrag des Bundesrats kantonale Förderprogramme für Wiedereinsteigende in die Langzeitpflege finanziell unterstützen. Mit der Übernahme der Kosten für Wiedereinstiegskurse sollen Bund und Kantone von 2018 bis 2022 gemeinsam 2000 diplomierte Pflegefachkräfte zur Wiederaufnahme einer Pflegetätigkeit gewinnen. Wiedereinstiegskurse werden von einzelnen Kantonen bereits heute erfolgreich angeboten. Die Kosten pro Kurs belaufen sich auf CHF 2000.- bis 5000.- pro Person.

Der Schweizerische Berufsverband der Pflegefachfrauen und Pflegefachmänner (SBK) hat nach Ablehnung der parlamentarischen Initiative Joder mit der Pflegeinitiative ein legitimes demokratisches Mittel ergriffen, um direkten Einfluss auf die Politik zu nehmen und seine Anliegen durchzubringen. Die Pflegefachkräfte sind die grösste Berufsgruppe in der Gesundheitsversorgung; sie wird angesichts der älter werdenden Bevölkerung weiter an Bedeutung gewinnen. Welche Rolle sie in der Gesundheitsversorgung spielen soll, darüber wird das Schweizer Stimmvolk entscheiden, falls die Initiative zustande kommt. Das ist zu begrüssen, denn in kaum einem andern Politikbereich sind so viele Bürgerinnen und Bürger direkt oder indirekt betroffen wie von der Verfügbarkeit der Pflege.

Sie erwähnen zudem, dass die Leistungen der Pflegenden nicht in den DRGs abgebildet seien. Auch diesbezüglich haben die Schweizerische Vereinigung der Pflegedienstleiterinnen und Pflegedienstleiter und der SBK als Trägerschaft von NursingDRG einiges bewegen können. So hat beispielsweise der Verwaltungsrat von SwissDRG AG per 2017 beschlossen, Zusatzentgelte für die Pflege- Komplex- Behandlung einzuführen. Die korrekte Abbildung der Leistungen ist eine gesetzliche Aufgabe von SwissDRG. Anpassungen in diesem Sinne sind zu begrüssen.

Die Schweiz lebt und entwickelt sich weiter durch politisches Engagement. In diesem Sinne freuen wir uns auf eine konstruktive Auseinandersetzung und auf gute Lösungen für die Pflegenden im Interesse aller.

Freundliche Grüsse

Abteilung Gesundheitsberufe

Der Leiter

Ryan Tandjung