Donnerstag, 23. März 2017

Offener Brief an die Politiker und Politikerinnen des Kantons Bern


Werte Damen und Herren,
ich beziehe mich in diesem Schreiben auf den Bericht vom Bund vom 24.3.2017
Das Sparpaket fordert erste Opfer
„Im Herbst will der Kanton bis zu 300 Millionen Franken einsparen. Als Konsequenz sistiert Regierungsrat Schnegg Verbesserungen bei der Pflege von schwer kranken Menschen.Alte, unheilbar kranke Menschen sind die ersten Betroffenen des grossen Sparpakets, das der Kanton Bern schnüren will. Zwischen 200 und 300 Millionen Franken sollen dabei eingespart werden. Wie und wo genau soll zwar erst im Herbst beschlossen werden. Der Direktor der Gesundheits- und Fürsorgedirektion (GEF), Pierre Alain Schnegg (SVP), hat in seiner Direktion aber bereits vorsorglich angeordnet, alle Budgetposten zu prüfen, «die nicht niet- und nagelfest» sind, wie es ein Kaderangestellter der Direktion gegenüber dem «Bund» sagt.Doch im Gesundheits- wie auch im Sozialwesen sind viele der Kosten gebunden. Weil man diese «nicht beeinflussen» könne, «rücken wenige andere Möglichkeiten zur Kostensenkung in den Fokus», schreibt GEF-Generalsekretär Yves Bichsel in einem Brief, der dem «Bund» vorliegt. Gemeint sind damit vor allem Posten, die noch in der Projektierungsphase sind. Adressat des Briefes sind die Spitäler und die Spitexverbände im Kanton. Es ist deren bereits aufgegleistes Modellprojekt im Bereich ambulante Palliativversorgung, das auf Eis gelegt wird. Der Auftrag zum Projekt war von der GEF selbst gekommen. Noch im letzten September kündigte die GEF an, das Projekt im Sommer 2017 umsetzen zu wollen.“
«Grosses Sparpotenzial»
Das Projekt der ambulanten Palliativversorgung sah vor, Strukturen aufzubauen, mit denen unheilbar kranke Menschen zu Hause oder im Pflegeheim gepflegt werden können. Dies als Ergänzung zu den bestehenden Spitex- und Hausarztangeboten. In ganz schwierigen Fällen sei die Versorgung heute nicht ausreichend, sagt Annamaria Müller, vom Spitalamt der GEF. «Dies etwa, wenn Menschen unstillbare Schmerzen haben oder wegen ihres Leidens unter schweren Angstattacken leiden.
Solche Patienten müssen heute im Spital versorgt werden. Oft sterben die Menschen auch dort. Für Fachpersonen ist klar, das für die Betroffenen nicht ideal ist. Bei Projekt der ambulanten Palliativversorgung gehe es laut Müller denn auch darum, «mehr Menschen ein Sterben in Würde zu ermöglichen».
Marcel Schenk, Geschäftsleiter von Pro Senectute Kanton Bern, bringt denn auch «wenig Verständnis» für die Sistierung auf. Er bedaure, dass «ein gutes Projekt kurz vor der Umsetzung» gestoppt werde. Dieses helfe kranken Menschen, länger zuhause zu bleiben. Zudem könne mit der ambulanten Versorgung Geld gespart werden. Das findet auch Steffen Eychmüller, Professor für Palliative Care an der Universität Bern. Er ist mit seinem Institut zusammen mit dem Lindenhofspital, dem Spitalzentrum Biel und der Spitex am Projekt der GEF beteiligt. In einer Arbeit beziffert er die Einsparmöglichkeiten auf jährlich 15 Millionen – mittelfristig gar auf bis zu 400 Millionen Franken. Er stützt sich dabei auf eine Langzeitstudie aus Katalonien und die demografische Entwicklung. Die Kosten für die ambulante Versorgung im gesamten Kanton beziffert er derweil auf sechs bis zehn Millionen Franken pro Jahr. Er hoffe auch deshalb, dass das «sehr sinnvolle Vorhaben» fortgeführt werde. Auch müsse man den Schwerkranken Alternativen bieten.
Was ist sonst noch betroffen?
Wie geht es nun weiter mit dem Projekt? Annamaria Müller sagt, dass das sinnvolle Projekt nach Möglichkeit später doch noch realisiert werde. Regierungsrat Schnegg wollte sich am Mittwoch trotz mehrfachem Nachfragen nicht zum Thema äussern. So ist derzeit auch noch unklar, welches die anderen Projekte sind, die laut «Bund»-Informationen in der GEF derzeit gestoppt worden sind. Auch in der zuständigen Grossratskommission waren die Sistierungen kein Thema. Das sorgt dort für «Verwunderung» und «Irritationen». So sagt etwa SP-Grossrätin Andrea Lüthi, sie hätte sich ein transparenteres Vorgehen seitens der GEF gewünscht.
(Der Bund)

Und jetzt nehme ich jeden einzelnen von Ihnen in die Pflicht! Hier geht es nicht um Zahlen, hier geht es um Menschen. Sie können es sich bequem machen und behaupten, man müsse das Ganze sachlich sehen. Ja, Sie können das. Sie sind nicht jene Menschen, die das Leid der Sterbenden aushalten müssen, die an den zu knapp bemessenen Ressourcen verzweifeln. Sie müssen den  Angehörigen nicht erklären, warum einem Sterbenden Menschen sein letzter Wunsch Zuhause zu sterben nicht erfüllt werden kann. Das Leben hat mich jedoch eines gelehrt: Es kann sehr schnell gehen, und dann sind sie vielleicht der Schwerkranke oder der Angehörige. Was dann? Würden Sie dann immer noch sachlich bleiben?
Am besten legen Sie gesetzlich fest, dass jeder Mensch über 65, der krank wird, eliminiert wird. Finden Sie das unmenschlich? Ich auch, aber es ist nicht unmenschlicher als an der Versorgung schwerkranker Menschen zu sparen, es ist nur ehrlicher.
Ich reagiere überspitzt? Durchaus möglich. Ich bin nämlich stinksauer! Ich kann es nicht mehr ab, dass Sie als Politiker und Politikerinnen sich den moralisch – ethischen Fragen die das Gesundheitswesen mit sich bringt einfach entziehen! Sie überlassen es den Pflegenden, den Ärzten dieses Spannungsfeld auszuhalten. Jeder einzelne von Ihnen, macht sich an diesen Menschen schuldig, Sieweiterhin einfach die Augen zu machen!
Ich weiss, das Gesundheitswesen ist komplex. Bestimmt ist es einfacher, sich weiterhin über die Reitschule, den Klassenkampf, die Überfremdung, oder die Gleichstellung zu profilieren. Aber hier geht es nicht um links oder rechts, schwarz oder weiss, Mann oder Frau, sondern schlicht um Menschlichkeit. Es geht um den Mut, sich diesen zugegeben schwierigen Themen zu stellen. Wer von Ihnen hat diesen Mut?
Als im Januar 2017 die Pflegeinitiative lanciert wurde, gab es Politiker, die der Meinung waren: „Das braucht es nicht, es wird ja jetzt geschaut das es besser wird“…  Nun werden Projekte sistiert, die auch die Arbeit von Pflegenden erleichtert hätte. Bis jetzt haben Pflegende jede Sparrunde auf ihrem Rücken Anstandslos hingenommen. Es erstaunt mich also nicht, dass Sie offenbar das Gefühl haben, diesen Berufsstand weiterhin einfach ignorieren zu können. Und so hat der Kanton Bern und das GEF vor allem eines bewiesen: Es braucht die Pflegeinitiative unbedingt!
Werte Politiker und Politikerinnen, ich werde nicht ruhen, bis Sie sich mit dem Leid Schwerkranker, ihrer Angehörigen und den Problemen Pflegender auseinander setzen und aufhören auf Kosten jener zu sparen, die sich nicht wehren.
Hochachtungsvoll
Madame Malevizia

zutiefst empörte, enttäuschte und erzürnte Pflegehexe.