Freitag, 9. Februar 2018

Bis zum bitteren Ende





Meine Lieben,
Als Pflegehexe habe ich das Privileg selbst zu entscheiden, ob ich nett sein will oder nicht. Und in diesem Blog habe ich absolut keine Lust nett zu sein. Wer damit ein Problem hat, sollte jetzt aufhören zu lesen.
Das was ich in der letzten Zeit von Politikerinnen und Politikern zum Thema Gesundheitswesen gehört und gelesen habe, ich nicht nur eine Frechheit, es zeugt auch von absoluter Ignoranz und Arroganz. Jede und Jeder einzelne von ihnen schweigt beharrlich zum Fachkräftemangel. So, als wäre dieser Fakt überhaupt nicht existent.
Das einzige Thema, dass diese Damen und Herren kennen sind die Kosten. Aus ihren Mündern kommen Worte wie „Kosten senken, Effizienz, einsparen, Wirtschaftlichkeit“ Und jedes Mal könnte ich kotzen. Es mich unglaublich wütend. So wütend, dass ich schreien könnte. Kein einziger und auch keine einzige denkt das, was da herausgelassen wird auch nur ansatzweise zu Ende. Also übernehme ich das jetzt.

Beginnen wir mit:

„Ein Spital kann geführt werden, wie jedes andere Unternehmen.“
Also werden ab jetzt Patienten, die defizitär sind, weil ihre Behandlungszeit länger ist als der DRG es vorsieht, entlassen. Sie werden entweder von ihren Angehörigen abgeholt oder mit der Bahre aus dem Spital herausgefahren und dort, selbstverständlich nachdem die Bahre ausgekippt worden ist, ihrem Schicksal überlassen. Es werden wohl einige vor dem Spital elend verrecken. Die Toten werden dann von den Bestattern eingesammelt.
Ärzte und Pflegende machen nur noch genau das, wofür sie bezahlt werden. Eine Operation dauert länger? Wenn die bezahlte Zeit um ist, wird zugenäht. Es sei denn, der Patient hat Zusatzminuten bezahlt.
Überwachung auf Station? Nur auf Verordnung und streng nach Plan. Das Organisieren und Vernetzen der Interdisziplinären Dienste übernimmt die Pflege nur, wenn der Patient dafür bezahlt.
Bettwäsche, Inkontinenz- und Verbandmaterial: Alles ist abgezählt. Wer mehr benötigt muss bezahlen. Kann er dies nicht. Liegt er halt im Dreck oder riskiert eine Wundinfektion.

Gehen wir weiter zu:

„Bestimmte Eingriffe werden nur noch ambulant durchgeführt“
Da kann es halt schon mal passieren, dass die alte Dame nach der Darmspiegelung im Bus den Stuhlgang nicht halten kann. Oder weil sie von der Narkose noch etwas delirant ist, den Heimweg nicht mehr findet. Es kann auch sein, dass ein  junger Mann nach einer Leistenbruch – OP zuhause stirbt. Weil niemand ihn mehr überwacht und so eine Nachblutung unbemerkt bleibt.

Und enden wir mit: 

„Die Untersuchung darf nicht länger als 30min dauern.“
Wenn in dieser Zeit nicht herausgefunden werden kann, was den Menschen krank macht, ist das wohl Pech. Behandelt wird dann mal ins Blaue hinein. Irgendein Medikament wird schon helfen. Oder es wird mal operiert. Und wenn alles nichts nützt. Ja, dann stirbt der Mensch auch. Für Kinder gibt es da übrigens keine Ausnahme.
Besorgten Angehörigen und verängstigten Eltern, werden die Untersuchungsergebnisse nur erklärt, wenn von den 30min noch Zeit übrig ist.

Ihr findet meine Schilderungen bizarr und widerlich? Ja ich auch. Ich habe jedoch nur zu Ende gedacht, was Politikerinnen und Politiker in unserem Land zum Thema Gesundheitswesen sagen und tun. Dabei vergessen diese eines konsequent: Menschlichkeit und Ethik.
Jetzt, wo ich das alles niedergeschrieben habe, bin ich nicht mehr wütend. Ich bin traurig. Traurig darüber, dass ein so reiches Land, das seine eigenen hohen Wertvorstellungen und ihre Moral immer wieder betont, die Menschenwürde aufs Spiel setzt. Und das auch noch für Geld.
Meine Lieben, ich werde nicht aufhören, für ein menschenwürdiges Gesundheitswesen einzustehen.

Eure Madame Malevizia