Montag, 13. November 2017

Freie Meinungsäusserung zur Pflegeinitiative – eine pflegehexerische Stellungnahme Teil III



Sonderfall Pflegefachpersonen HF und HF gegen FAGE

„Da könnte ja jeder kommen.“ Ist auch ein Argument, dass ich schon einige Male gehört habe. Wir sind aber eben nicht „Jeder“
Ebenfalls wird auch eine Konkurrenz zwischen HF und FAGE heraufbeschworen, die ich für schädlich halte. Das ist nicht das Thema, um das es bei der Pflegeinitiative geht.

„Ich finde es völlig falsch den Lohn und die Verantwortung derart in den Vordergrund zu stellen. Dies gar für eine einzelne Berufsgruppe als "Hintertür für höhere Gehälter" in der Verfassung festzulegen ist völlig krank. Der Lohnrahmen von Berufsgruppen gehört weder in die Verfassung, noch in die dazugehörige Gesetzesgrundlage, sondern sind paritätisch zwischen Arbeitgeber/Angestellten auszuhandeln. Ich befürworte jedoch ganz klar einen gesetzlich festgelegten Mindestlohn. Dieser muss jedoch für alle Berufsgruppen gelten. Es darf keine Bevorzugung des Pflegepersonals geben. Deshalb ist die Initiative abzuschmettern.“
Daniel Dummermuth

Pflegefachperson ist nicht irgendein Beruf. Wenn Pflegefachpersonen aussterben, gibt es Tote. Dies sollte sich jeder vor Augen halten, der das Gefühl hat, dass Pflegende nur mehr Lohn oder eine Bevorzugung wollen. Pflegende wollen einfach die Chance haben, mit ihrem Lohn eine Familie durchzubringen und sie wollen endlich wieder ihren Beruf so ausüben, wie sie es gelernt haben. Das ist keine Bevorzugung, das ist Gerechtigkeit.
Und ganz ehrlich, wenn wir in unserer Verfassung Bekleidungsvorschriften fixieren wollen, können wir auch festlegen wie Pflege und die Behandlung von Pflegenden in unserem Land aussehen soll.

„Was ist das denn für eine Einstellung! Beklagt sich jemand, dass wir zu wenig Putzpersonal selber ausbilden, wir dann Putzpersonal aus Lateinamerika ‚importieren‘ und dafür in deren Heimatländer Alles schmutzig ist? Oder dass wir so viele Bauleute aus Südeuropa haben … könnten ja unsere Gipser selber ausbilden…
David K.
Im Unterschied zum importierten Putzpersonal, gibt es im Lateinamerika (oder wo auch immer) Tote, wenn wir ihnen die Pflegefachpersonen abwerben. Und es ist ein regelrechtes Abwerben. Ein solches Verhalten ist für die reiche Schweiz (und das sind wir im Vergleich zu diesen Ländern) eine ethisch – moralische Bankrotterklärung.


„Aber bitte nicht die FAGs und FABs vergessen die Arbeiten auch sehr viel und ihr Job ist genau so wichtig und auch sie haben viel Verantwortung.“
Ruth Meier
Nein, die FAGEs und FABEs vergessen wir auf keinen Fall, sie sind Teil der Lösung. Richtig eingesetzt, leisten sie einen extrem wichtigen Beitrag in der Pflege. Die Betonung liegt auf RICHTIG EINGESETZT. Und genau das ist zur Zeit das Problem. Wenn die Pflegefachperson wegbricht, weil einfach zu wenig zu Verfügung stehen, müssen FAGES Verantwortungen übernehmen, zu der sie nicht in der Lage sind, und Dinge tun, für die sie nicht ausgebildet worden sind. Es ist dann für diese Berufsgruppe sehr frustrierend, wenn sie nicht das tun können, was eigentlich ihrem Berufsbild entspricht.


„Ich finde, da ist auch eine gewisse Scheinheiligkeit dabei. Denn in den Alten- und Pflegeheimen sind meist FAGE am pflegen und sehr schlecht bezahlt. Die Tertiär-Ausbildung "Pflegefachfrau HF" bedeutet Verdoppelung/Verteuerung der Ausbildungszeit. Diese Leute steigen später in den Beruf ein und kosten viel mehr. Dabei leistet die effektive Pflege-Arbeit in den Spitälern die FAGE. Die Aufwertung des Pflegeberufs auf Berufsmatura und Bachelor-Abschluss "Pflegefachfrau HF" hat dazu geführt, dass FAGE/FABE zu Billiglöhnen praktisch die ganze Pflege in Alten-, Pflege- und Behindertenheimen bewältigen, während in den Spitälern neue Arbeits- und Lohn-Hierarchien entstanden sind zwischen FABE und Pflegefachfrau HF.“
Elisabeth Eugster
Die FAGE sind am „pflegen“, weil es kaum mehr Pflegefachpersonen HF gibt, die in Pflegeheimen arbeiten. Das Resultat ist eine Überforderung der FAGE. Die von Ihnen genannte „Pflege“ ist nicht ausschliesslich die Körperpflege, das Essen und Trinken anreichen etc.. Nehmen wir das Beispiel Körperpflege. Während dieser müssen z.B. die Hautverhältnisse beobachtet werden (kann eine FAGE), und daraus die Konsequenzen gezogen werden. Und hier kommt die Pflegefachfrau ins Spiel. Muss der Patient/Bewohner gelagert werden? Braucht es ein anderes Hautpflegeprodukt? Ist ein Verband nötig? Oder muss dies von einem Arzt beurteilt werden?
Genauso verhält es sich im Spital. Eine FAGE kann den Blutdruck messen, die Resultate ins System eingeben und beurteilen, ob diese im Normbereich liegen. Liegen diese ausserhalb des Normbereichs ist es die Pflegefachfrau, die handeln muss. Ist der tiefe Blutdruck aufgrund eines Volumenverlusts entstanden? Fehlt dem Patienten nur Flüssigkeit oder könnte auch eine Blutung der Grund sein? Sie ist es, die nach weiteren Symptomen sucht, den Arzt informiert und gegebenenfalls mehr Flüssigkeit zuführt oder weitere Massnahmen wie Laborkontrollen oder die Gabe von Blutkonserven durchführt.

Madame Malevizia, Pflegehexe.