Montag, 6. November 2017

Werter Herr Parteipräsident Christian Levrat


Ich habe ihr Parteiprogramm gelesen. (Ja, die gesamten 60 Seiten) Und ich bleibe irritiert zurück. Die Partei, welche sich Sozialität und Solidarität auf die Fahne geschrieben hat, lässt eines der wichtigsten Themen aussen vor: Den Fachkräftemangel in der Pflege. Dieser wächst stetig. Leider hat es Ihre Partei bisher verpasst, sich bei der Lösung dieses Problems einzubringen. Es kann sein, dass ich etwas verpasst habe (ich bin schliesslich auch nur eine Pflegehexe), und Ihre Partei hat doch eine Haltung zu diesem Thema. Dann wäre ich Ihnen sehr verbunden, wenn Sie mir und den Pflegenden dieses Landes diese verständlich machen würden. Denn auch auf der Homepage der SP Schweiz habe ich zum Thema Gesundheitswesen lediglich Ihre Haltung zu den steigenden Kosten, jedoch keinen Ton zur riesigen Not der Pflegenden gefunden. Sie sind der Meinung, das Gesundheitswesen müsse für alle Menschen zugänglich sein. Da bin ich mit Ihnen einig! Dies erreichen Sie jedoch nicht, wenn Sie nicht darum besorgt sind, dass dieses Gesundheitswesen über genügend Fachpersonal verfügt. In Ihrem Parteiprogramm berufen Sie sich auf die Menschenrechte. Ich bin mit Ihnen, wenn Sie deren Einhaltung vehement einfordern. Doch ist Ihnen klar, wie gefährdet gerade diese Menschenrechte sind, wenn der Fachkräftemangel im Gesundheitswesen weiter fortschreitet?

Ich bin mir durchaus bewusst, dass es SP Mitglieder gibt, die sich mit dem Gesundheitswesen befassen. Namentlich bei Bea Heim, Angelo Barrile, Marina Carrobio Guscetti, Barbara Gysi und Rebecca Ana Ruiz möchte ich mich dafür auch bedanken. Die genannten haben mehr als einen Vorstoss in National – oder Ständerat gemacht. Leider hatten die meisten von ihnen die Patienten und nur sehr wenige den Fachkräftemangel und den daraus resultierenden Zeitdruck und Qualitätsabbau im Fokus. Von der SP erwarte ich mehr, als einige wenige Einzelpersonen und Einzelaktionen. Ich erwarte gerade von der SP, dass Sie sich für die Menschlichkeit im Gesundheitswesen einsetzen. Für Menschlichkeit gegenüber jenen, die auf Pflege und Betreuung angewiesen sind ebenso wie für jene, die ihr Herzblut dafür geben, diesen Menschen ein würdiges Leben zu ermöglichen. Sie sind es, die mehr verdient haben, als lobende, beruhigende oder tröstende Worte. Und so fordere ich Sie und Ihre Partei auf, sich um die Gesundheitspolitik zu kümmern und die Pflegenden nicht mehr länger mit ihren Problemen alleine zu lassen. Tun Sie es nicht, wird das für alle in der Schweiz lebenden Menschen ernsthafte Folgen haben.

Gerne stehe ich Ihnen für einen Austausch und ein Aufzeigen der brennenden Probleme der Pflegenden zur Verfügung und bin absolut überzeugt, dass auch in Ihren eigenen Reihen viele Ressourcen diesbezüglich zur Verfügung stehen.

Ich habe es mir zum Ziel gemacht, allen Parteien dieselben vier Fragen zu stellen. So frage ich nun auch die SP:

·       Was für eine Pflege wollen Sie für die Schweizer Bevölkerung?

Kommen Sie mir jetzt aber nicht mit Schlagworten wie qualitativ hochstehend und effizient! Damit können die Pflegenden an der Basis nichts anfangen.

·       Was tut Ihre Partei, damit die von Ihnen gewollte Pflege realisiert werden kann?

·       Wo sollen Pflegende rationieren, wenn plötzlich mehrere 100 Stellenprozente fehlen, jedoch keine Betten geschlossen werden können?

Zum Schluss noch eine etwas politischere Frage:

·       Für welche Massnahmen macht sich Ihre Partei stark, um dem Fachkräftemangel entgegen zu wirken?



Gespannt und sehr interessiert warte ich auf die Antworten Ihrer Partei. Bis dahin wünsche ich Ihnen Gesundheit, sie ist das höchste Gut, das keiner kaufen kann.

Mit freundlichen Grüssen

Madame Malevizia



PS. Ich mache Sie darauf aufmerksam, dass dieser Brief, sowie eine allfällige Antwort auf meiner Homepage (pflegehexe.ch) sowie auf Facebook und LinkedIn veröffentlicht wird.