Dienstag, 27. Oktober 2020

Ein Erdbeben im Gesundheitswesen

 

«Es gab diejenigen, die in Covid-Spitälern tätig sein mussten, auf Intensivstationen, wo die psychische und physische Belastung sicher sehr gross war», dieses Statement hat Frau Ruth Humbel gestern in einem Beitrag zur Aktionswoche der Pflegenden abgegeben. Ich möchte dieses aufnehmen, da sie nicht die einzige ist, die immer wieder betont, dass es doch nur die Pflegenden auf den Intensivstationen oder den «Covidspitälern» gewesen seien, die in diesem Frühjahr belastet gewesen seien. Diese Annahme oder Behauptung ist schlicht falsch. Covid- 19 ist und war kein lokaler Sturm es ist ein Erdbeben im Gesundheitswesen.

Genauso wie der Rest der Bevölkerung, wussten auch wir Pflegenden nicht, was auf uns zu kommt. Während viele um ihre Existenz, ihre Gesundheit oder die ihrer Liebsten fürchteten, hatten wir Pflegenden die Bilder unserer Nachbarländer vor Augen. Würden wir ebenso überrollt werden?

Vielerorts wurden 12. – Stundenschichten eingeführt. Solch lange Schichten gehen unweigerlich an die körperliche Substanz, da die Ruhezeit einfach zu kurz ist. Erschöpftes Pflegepersonal ist gefährlich, egal in welchem Setting.

Pflegende sind keine unsterblichen Superhelden. Sie sind einfach nur Mensch. Auch sie können sich mit Covid- 19 anstecken oder auch sonst krank werden. Es braucht nicht viel Vorstellungsvermögen um nachzuvollziehen, was Krankheitsausfälle in dieser Situation bedeuten. Zu Beginn der Pandemie fehlte vielerorts Schutzmaterial, was bedeutete, dass sich die Pflegenden zusätzlich noch exponierten.

Intensivspflege, die Epi- Zentren

Die Intensivstationen sind bestimmt die Epi – Zentren der Krise. Covid – 19 Patienten sind lange sehr krank und äusserst Behandlungs- und Pflegeintensiv. So braucht es beispielsweise 4 – 5 Personen, um einen beatmeten Menschen auf den Bauch oder zurück zu drehen. Nicht nur Covid- Patienten sind auf Intensivpflege angewiesen, auch andere Krankheitsbilder und nicht zu vergessen Unfälle bedürfen der Intensiv – Pflege und sind nicht unbedingt «aufschiebbar». Durch die «langliegenden» Covid- Patienten ist die Bettenkapazität der Intensivstationen noch limitierter als sonst. Und was passiert, wenn eine Intensivstation keine freien Betten mehr hat? Es geht ja nicht nur um das «physische» Bett mit dazugehörigen Apparaturen, es geht um die Ressource Pflegefachperson FA Intensivpflege, die massgebend ist, wie viele Intensivpflegebetten betrieben werden können. Dann trifft es eben auch die Bettenstationen.


 

Die stationäre Pflege

Sind die Intensivbetten voll oder nahezu voll, müssen Patienten auf die Normalstationen verlegt werden, auch wenn sie noch nicht ganz so stabil sind, wie sie sollten. «Gott gebe, dass es klebe», ist da das Motto. Die Betreuung dieser Patienten auf den Bettenstationen ist hochkomplex. Ebenfalls verbleiben auf den Bettenstationen Patienten, die so instabil sind, dass sie auf eine Intensivstation gehören würden. Dies bedeutet für die Pflegenden einen deutlichen Mehraufwand. Engmaschiges Überwachen, reagieren auf den sich schnell ändernden Allgemeinzustand des Patienten. Es ist sehr belastend, zuzusehen, wie sich ein Zustand immer weiter verschlechtert, zu wissen, dass ein Patient erst dann von der Intensivstation übernommen werden kann, wenn er kurz vor der Reanimation steht. In solchen Situationen kommen die anderen Patienten, die ebenfalls Betreuung/Pflege brauchen, einfach zu kurz. Es kann durchaus sein, dass dadurch Anzeichen von Komplikationen nicht frühzeitig erkannt und behandelt werden können. Ein Spiel mit dem Feuer oder sollte ich sagen, mit dem Tod?

Seit dem Frühjahr schwebt Covid – 19 wie ein Damoklesschwert über unseren bereits schwer kranken und geschwächten Patienten. Den Pflegenden ist klar, wenn bei einem Menschen nach einer grossen Operation, einem Menschen, dem gerade ein Organ transplantiert wurde oder einem Menschen, der gerade gegen Krebs kämpft, noch ein schwerer Verlauf von Covid- 19 dazu kommt, ist das wahrscheinlich das Todesurteil. Schon deshalb müssen Pflegende doppelt und dreifach aufmerksam sein. Die Hygieneregeln müssen peinlichst genau eingehalten werden. Das erfordert Konzentration, Konsequenz und ein weiteres Mal Zeit. Positiv Getestete oder Verdachtsfälle müssen isoliert werden. Auch diese Massnahmen müssen von den Pflegenden eingeleitet und umgesetzt werden.  

Die Notfallpflege

Den meisten Notfallstationen ist ein sogenannter Covid – Track angegliedert worden. Dieser hat vor allem einen Zweck. Menschen mit Covid – Verdacht schnell testen zu können und das Ansteckungsrisiko für andere möglichst gering zu halten. Diese Covid- Traks wurden teilweise auch noch mit dem Personal der Notfälle betrieben. Also neben dem gesamten «Normalbetrieb», in dem es mitunter auch um Leben und Tod gehen kann, musste auch das noch gestemmt werden. In den Notfall kommen verschiedenste Menschen und nicht immer können diese Massnahmen, wie Maskenpflicht, Beschränkung der Begleitpersonen, Isolation etc. nachvollziehen. Es sind die Pflegenden des Notfalles, welche die Emotionen darauf auffangen und die Massnahmen dennoch durchsetzen müssen.

Die Langzeitpflege

Mit dem Besuchsverbot ist während des Lockdowns eine essentielle Ressource der Bewohnerinnen und Bewohner von einem Tag auf den anderen komplett weggebrochen. Das allergrösste Problem dabei: Angehörige, geliebte vertraute Menschen sind unersetzlich! Dennoch haben die Pflegenden versucht, alles ihnen Mögliche zu tun, um das aufzufangen. Dabei haben sie nicht nur die Bewohnerinnen und Bewohner betreut, sondern auch die Angehörigen. Man könnte jetzt denken, ja die Angehörige konnten ja ihre Liebsten anrufen. Ja machen Sie mal, bei einer dementen Frau, einem schwerhörigen Mann. Diese Menschen brauchen auch da Unterstützung und das benötigt wieder zusätzliche Zeit. Nach dem Lockdown musste ein strenges Hygienekonzept umgesetzt werden, welches auch die Besucher betraf. Nicht jeder Besucherin und jedem Besucher war dieses verständlich. Vielerorts mussten endlose Diskussionen über Maskenpflicht und Kontaktdaten geführt werden. Ich möchte nicht wissen, was meine Kolleginnen und Kollegen sich da teilweise anhören mussten.

 

Die ambulante Pflege

Polikliniken wurden teilweise geschlossen oder das Angebot stark reduziert. Die Pflegenden waren aber nicht in Kurzarbeit, sondern wurden auf andere Stationen verteilt. Der Wechsel von der ambulanten in die stationäre Pflege ist eine echte Herausforderung, wenn nicht sogar Überforderung. Durch das reduzierte Angebot der Polikliniken mussten komplexe und zeitintensive Verbände von der Spitex übernommen werden.

 

Die spitalexterne Pflege

Für viele ihrer Klientinnen und Klienten waren sie teilweise die einzige Kontaktperson, die zu ihnen nach Hause kam. Es mussten zusätzliche Betreuungsdienste geleistet werden, die teilweise auch nicht richtig bezahlt werden. Die nun geltenden Hygienevorschriften, die Klientinnen und Klienten, sowie die Pflegenden schützen, müssen in den Haushalten umgesetzt werden. Da ist viel Kreativität und Fingerspitzengefühl gefragt.

 

Die Geburt- und Wöchnerinnenbetreuung

Die Spitäler entliessen die Wöchnerinnen möglichst schnell nach Hause, um auch da das Ansteckungsrisiko klein zu halten und auch um Betten frei zu haben. Die Mütter mussten alleine durch die Geburt, aufgrund des absoluten Besuchsverbots. Das ging nicht spurlos an ihnen vorbei und es waren die Pflegenden in der ambulanten Wöchnerinnenbetreuung, die diese Mütter dann auffingen. Gleichzeitig musste aber das ambulante/ aufsuchende Setting dieser Pflegenden reduziert werden, da auch sie ein hohes Risiko Covid 19 zu verbreiten darstellten. Und das, obwohl auch die Grosseltern der Neugeborenen als Ressource wegfielen. Eigentlich die Quadratur des Kreises. Dies stürzte sowohl die stationär als auch die ambulant tätigen Pflegenden in grosse ethisch moralische Dilemmata. Die dort erlebten Geschichten sind bis heute nicht verarbeitet.

 

Die psychiatrische Pflege

Psychisch Kranke welche einen stationären Aufenthalt benötigen, sind äusserst vulnerabel. Es ist nicht schwierig, sich vorzustellen, was die Covid- Pandemie in ihnen auslöst: Ängste, psychotisches Erleben, Depressionen und Aggressionen wurden um ein Vielfaches verstärkt. Wichtige Instrumente, wie Millieutherapie, Sozialtraining und Gesprächsgruppen konnten zum einen wegen der notwendigen Hygienemassnahmen und zum anderen wegen des Personalmangels nicht mehr durchgeführt werden. Dies sorgte für eine deutliche Zunahme von Kriseninterventionen jeglicher Art. Zudem mussten sich die Pflegenden auch mit Schutzmassnahmen und Covid- Abklärungen auseinandersetzen. Es ist eine grosse Herausforderung, diese im stationären Psychiatrie – Setting zu managen. Was in der somatik die Intensivstationen sind, sind in der Psychiatrie die Psychiatriestationen. Ebenso wie in der Somatik wurden nur noch die absoluten Notfälle aufgenommen. Für die ambulante Psychiatriepflege bedeutete das, schwierigste Situationen zu managen. Auch hier sollten direkte Kontakte möglichst vermieden werden. Vieles musste über das Telefon gemacht werden, was sonst einen 1:1 Kontakt bedingte. Schätzen Sie mal den psychischen Zustand eines Menschen über das Telefon ein. Oder führen sie eine fundierte Krisenintervention durch. Weder im stationären noch im ambulanten Bereich wurde der Personalschlüssel aufgestockt. Wie auch, ist ja keiner da, den man rekrutieren könnte.

 

Fazit

Covid – 19 hat das ganze Gesundheitswesen erschüttert und nach der ersten Welle einige Risse hinterlassen. Viele Pflegenden sind erschöpft und haben das alles noch gar nicht verarbeitet. Hinzu kommt die Wut darüber, dass wir Pflegenden nach dieser Welle im Regen stehen gelassen wurden. Über uns, oder darüber wie man so in die Pflege investieren kann, dass eine 2. 3. 4. Welle von den Gesundheitseinrichtungen aufgefangen werden könnte, hat im Sommer kaum jemand gesprochen. Schon gar nicht die Politik. Das würde nämlich bedeuten, dass diese sich reflektieren und entsprechend handeln müsste. Es würde bedeuten, anstatt bei jeder möglichen und unmöglichen Gelegenheit zu betonen, dass es ja leere Spitäler gab, darüber nachzudenken, wie die Last verteilt werden kann, um eine Überbelastung der einen und eine Unterbelastung der anderen zu verhindern.

Ich erwarte von der Politik jetzt mehr als nette Worte oder Ausflüchte. Ich erwarte Entscheidungen, ich erwarte, dass jetzt gehandelt wird!

Madame Malevizia.


Montag, 26. Oktober 2020

Um was es wirklich geht


 

Um was es wirklich geht…

 

Heute am 26.10.2020 startet die Aktionswoche der Gesundheitsberufe. Das Thema ist aktueller denn je. Dennoch geht es hier nicht alleine um die aktuelle Krise, die unser Land ein weiteres Mal überrollt. Die Pflege war schon vor Covid19 am Limit, was jetzt geschieht ist die Folge der politischen Entscheide oder eben Nicht- Entscheide der letzten Jahre. Es ist jetzt tatsächlich möglich, dass uns als Land unser Gesundheitswesen um die Ohren fliegt. Und ich muss gestehen, ich weiss nicht, was ich mir wünschen soll: Dass es nicht passiert oder dass es passiert und sich endlich etwas bewegt, die Politik ihren Beitrag dazu leistet, dass sich die Arbeitsbedingungen verbessern? 

Bessere Arbeitsbedingungen. Was meine ich mit diesem Schlagwort? Ich werde versuchen, es zu erklären.

Also, ich stelle mir darunter folgendes vor: Am Morgen werde ich mit der Limousine an meinen Arbeitsplatz chauffiert, wo ich über einen roten Teppich ins Stationsbüro geleitet werde, wo selbstverständlich schon das Champagnerfrühstück auf mich wartet…

Nein, natürlich nicht. Es geht nicht um Luxus, es geht um essentielles.

Es geht darum, ein Arbeitspensum vorzufinden, welches in der zur Verfügung stehenden Zeit bewältigbar ist. Im Moment ist das bei den wenigsten der Fall. Eine Stunde Überzeit oder mehr, ist für Pflegende «normal». Viele meiner Berufskolleginnen vereinbaren nach dem Dienst keine Termine mehr, weil sie diese selten wahrnehmen können. Und da sind wir schon beim nächsten. Es geht um eine ausgewogene Work life balance. Ist diese nicht gegeben, und das kann sie nicht sein, wenn ständig so viel Überzeit gemacht werden muss, geht das an die körperliche und psychische Substanz. Und das in einem Beruf, in dem beides wichtig ist, um die Aufgaben zu erfüllen. Erschöpfte Pflegende sind eine Gefahr für die ihnen anvertrauten Bewohner/ Patientinnen/ Klienten.

Es geht darum, krank sein zu dürfen, sich krank melden zu können und die Krankheit auch auszukurieren. So viele von uns haben ein schlechtes Gewissen, wenn sie krank sind. Weil sie wissen, wie ihre Kolleginnen und Kollegen jetzt überbelastet sind durch ihr fehlen. Dieses Phänomen darf einfach nicht sein! Auch Pflegende haben das Recht krank zu sein und sich ausreichend Zeit zu genesen zu nehmen.

Es geht darum, frei haben zu können, ohne ständig abrufbar zu sein, ohne für diese Bereitschaft bezahlt zu werden. Nicht wenige von uns erhalten an jedem freien Tag einen Anruf, ob sie vielleicht nicht doch heute oder morgen arbeiten könnten?...

Und nicht zuletzt geht es darum, dass Pflegende ihre Arbeit, gemäss ihrer Ausbildung, so wie sie es gelernt haben ausüben können. Ich spreche nicht von Perfektion, aber von Excellenz, so wie sie in den Berufsschulen auch gelehrt wird.

Ich weiss, viele Politikerinnen und Politiker sind der Meinung, dass sie nicht für die Arbeitsbedingungen in der Pflege verantwortlich seien, da könne ja jeder Berufsstand kommen. Doch Pflegende sind nicht «jeder Berufsstand». Pflegende sind ein wichtiger Bestandteil unseres Gesundheitswesens, das ohne sie zusammenbrechen würde. Und für dieses Gesundheitswesen ist die Politik durchaus verantwortlich. Nicht wenige Kantone haben in den letzten Jahren auf dem Rücken des Gesundheitswesens gespart, eben weil dort nichts gesetzlich (auf Bundesebene) vorgeschrieben ist. Dieser Umstand ist uns dieses Frühjahr fast um die Ohren geflogen. Und gerade jetzt sind wir in der 2. Welle und das Risiko (oder sollte ich sagen, die Chance) ist grösser denn ja, dass es uns jetzt wirklich um die Ohren fliegt. Und ganz offensichtlich hat die Politik da wieder einmal seine Hausaufgaben nicht gemacht! Ich bezweifle auch, dass sich die betreffenden Gremien diesbezüglich reflektieren und die Verantwortung übernehmen. Jedenfalls nicht freiwillig. Schliesslich will man/frau wiedergewählt werden.

Es ist an der Politik den gesetzlichen Rahmen zu schaffen, dass Pflegende ihre Arbeit tun können. Nicht mehr und nicht weniger. Die Eigenständigkeit des Pflegeberufes im KVG und eine Investition in die Ausbildung sind gute und wichtige Schritte. Sie werden jedoch wirkungslos sein, wenn nicht auch dafür gesorgt wird, dass Pflegende länger und gesund an der Basis arbeiten können und wollen.

Ist dieser Schritt getan, ist es die Verantwortung jeder einzelnen Pflegenden, diesen Rahmen zu kennen und ihre Rechte auch wahrzunehmen. Dies sollten wir dann genauso ernst nehmen, wie unsere Verantwortung gegenüber unseren Patienten/Klienten/ Bewohnern.

 

Eure Madame Malevizia

Freitag, 23. Oktober 2020

#Verbundenheit




 

Meine Lieben,

Die 2. Welle ist Tatsache. Erneut stehen wir da, im Sturm, von dem wir nicht wissen, wie gross er sein wird und wie hart er uns trifft.

Gestern ist mir dies richtig bewusst geworden und da kam sie, die grosse Wut, die mir die Luft abschnürte. Ich fühlte mich so im Stich gelassen, so verhöhnt von all denen, die nichts ernst nehmen und noch mehr von jenen Politikern, die den ganzen Sommer über unsere Leistung klein geredet und offensichtlich nicht einmal ihre eigenen Hausaufgaben gemacht haben. Ich habe nur noch schreien wollen vor Wut und Verzweiflung. Weil ich keine Lust habe, auf nochmal 12 Stundenschichten. Weil es uns alle noch einmal trifft! Weil es einfach ungerecht ist, weil es einfach obergrosse Scheisse ist. Ich bin sicher, viele von Euch kennen diese Wut und wie hilflos, sie einen zurücklässt.

Ich bin aufgefangen worden. Nicht nur das, ich bin auf die Füsse gestellt worden. Es war meine Tanzlehrerin, die mich daran erinnert hat, dass ich nicht für das alles verantwortlich bin und auch nicht sein muss. Und ich jetzt einfach nur tun kann, was ich als Pflegehexe und Pflegefachfrau kann. Und dass, genau das reichen wird.

Ich weiss, einige würden jetzt am liebsten streiken und der Politik den Stinkefinger zeigen. Aber wisst Ihr, das kann ich nicht. Das geht gegen meine persönliche Ethik. Ich kann nicht jetzt, wo ich als Berufsfrau am meisten gebraucht werde, nicht das tun, was meine Berufung ist.

Für mich gibt es nur einen Weg, weiter da durch. Und ich will verdammt noch mal, dass wir das zusammen rocken! Ich will, dass wir der Welt zeigen was Pflegende können! Ich will, dass wir alle zusammen heil aus dieser Scheisse herauskommen! Für mich ist klar, dass wir das selbst tun müssen. Und wir tun es, für UNS und FÜREINANDER. Nicht für die Politik, nicht für die Betriebe (aber ich hoffe mit ihnen) und auch nicht unbedingt für unsere Patienten/Bewohner/Klienten (auch wenn es ihnen sicher hilft, wenn es uns gut gehen kann) sondern dieses eine mal für UNS!

Und so starte ich heute folgendes Projekt:

Meine Facebookseite wird ab sofort bis auf weiteres zur «Mutmach- Kraftgeb- Licht - Seite" für Pflegende. Dazu aktiviere ich erneut den #Verbundenheit.

Mein Ziel ist es, dass wir uns selbst und einander so stark zu machen, dass wir gut durch diesen Sturm kommen. Dazu werde ich ab diesen Montag täglich ein «Mutkraftlicht» posten. Das kann eine Copingstrategie sein, ein Spruchbild, ein Lied, ein Video, einfach etwas, das uns ein Lächeln aufs Gesicht zaubert, oder uns Mut und Kraft gibt.

Ich wünsche mir, dass wir alle uns gegenseitig stützen, halten und wieder auf die Füsse stellen, wenn wir zu fallen drohen.

Ich rufe Euch jetzt auf: Helft mir dabei, sendet mir Eure Ideen, Impulse, Strategien zu, in Form von Bildern, Bilder, Fotos, Texten, Liedern, Videos, Links, Sprüchen, alles was Euch einfällt und was auf einer Facebookseite gepostet werden kann. Wenn Ihr jemanden kennt, der etwas beitragen kann, fragt sie an. Sendet mir alles was Ihr habt an pflegehexe@bluewin.ch, mit dem Betreff Mutkraftlicht, kleinere Dinge auch gern auch via Messenger. Ich werde mir erlauben jene Dinge auszusuchen, die uns auch wirklich stärken, uns Licht geben.

Habt schon jetzt Dank, für Euer mittragen.

Lasst uns der Welt zeigen, dass wir Pflegenden Solidarität leben, auch wenn der Wind uns gerade jetzt dermassen um die Ohren pfeift.

Eine ganz grosse innige Umarmung. In Verbundenheit

 

Eure Madame Malevizia

Sonntag, 11. Oktober 2020

Gedanken, zu dieser Zeit - im Wissen, dass ich nichts weiss

 

Ich kann nicht

sagen, dass es Covid -19 gar nicht gibt, weil ich Menschen kenne, die um das Leben von Infizierten gekämpft haben und noch immer  kämpfen.

 Ich kann nicht,

sagen, dass alles nicht so schlimm ist und Covid 19 mit anderen Krankheiten und deren Sterberate vergleichen, weil für mich jeder Einzelfall ein Mensch ist, der das Recht auf Leben hat.

 Ich kann nicht,

bei einer Impfung kategorisch «Nein», sagen, weil für die Menschen die ich betreue, eine Covid – 19 Infektion das Todesurteil sein kann und ich nur schwer damit leben könnte, wenn ich sie angesteckt hätte.

 Ich kann nicht,

sagen, dass alle verordneten Massnahmen richtig waren und sind, weil ich nicht alles nachvollziehen kann und ich sehe, dass diese Massnahmen Leid verursacht haben.

 Ich kann nicht,

sagen, dass alle verordneten Massnahmen falsch waren und sind, weil ich nicht weiss, was passiert wäre, wenn sie nicht ergriffen worden wären und ich sehr dankbar bin, dass die Schweiz nicht so stark betroffen war und ist, wie Italien.

 Ich kann nicht,

jetzt zum Streik ausrufen, weil ist jetzt in dieser Krise da sein will, für die Menschen die mich und meinen Berufsstand jetzt brauchen.

 Ich kann nicht,

den Applaus als Hohn ansehen, da er von jenen kam, die in diesem Moment nichts anderes für uns tun konnten.

 Ich kann nicht,

sagen, dass mich diese Krise nicht immer wieder emotional erschüttert und ich manchmal einfach am liebsten schreiend davon laufen möchte.

 

Ich kann,

mich an mein Wissen zum Thema Krise und Krisenintervention erinnern und dieses jetzt anwenden.

 Ich kann,

entscheiden wo und wann ich mich wie exponieren will.

 Ich kann,

die Hygieneregeln einhalten, im Wissen, dass ich damit vor allem mein Gegenüber schütze.

 

Ich kann,

mein Immunsystem stärken, so wie ich das jeden Winter tue.

 Ich kann,

mich weiter für eine Verbesserung meiner Arbeitsbedingungen einsetzen und den politischen Weg bis zum Schluss unterstützen.

 Ich kann,

wenn ein Impfstoff zur Verfügung steht, für mich selbst prüfen, ob ich diesen meinem Körper zutraue.

 Ich kann,

mich jeden Tag von Neuem dafür entscheiden, diese Krise nicht nur auszusitzen, sondern auf jede erdenkliche Art zu tanzen.

 Ich kann,

in dieser dunklen Zeit, meine Lichter teilen, auf dass sie für andere auch Licht sein können.

 

Ich spreche hier von mir, von dem was ich nicht kann und von dem was ich kann. Ich spreche nicht von dir, aber ich wünsche mir, dass auch du dir bewusst wirst was du nicht kannst und  noch wichtiger, dass du dir klar wirst was du kannst.

 

Madame Malevizia


Dienstag, 1. September 2020

Eine Stimme sein


 

Meine Lieben,

Ende Juni bin ich dem Sonnenuntergang entgegen geflogen. Erschöpft war ich. Die letzten Monate haben auch von mir sehr viel gefordert. Und mein Körper sagte mir sehr deutlich, dass er so nicht weiter machen kann. Verunsichert war ich, weil ich spürte, dass das, was ich so geliebt hatte, nämlich Pflegehexe sein, zur Last geworden war. Ich sass auf meinem Besen und flog weg. Ich wusste nicht, ob ich zurückkehren würde.

In diesen zwei Monaten, habe ich mir Zeit gelassen, mir bewusst zu werden, was in diesem Jahr passiert ist. Ein absolut verrücktes Jahr und vieles kommt mir bis heute surreal vor. Bilder kamen auf, die Gefühle dazu folgten, eine Mischung von Angst, Mut, Sorge, Enttäuschung und Wut war da. Ich verarbeitete, ich reflektierte und sortierte. Und das Wichtigste: Ich gönnte meinem Körper und meinem Geist eine Pause.

Schon bald wurde für mich klar: Es wird weiter gehen, denn mein Pflegehexentum ist mir wichtig. Ich habe mich daran erinnert, wozu ich geboren wurde, nämlich um Stimme zu sein. Eine Stimme aus der Pflege und eine Stimme für die Pflege. Als ich vor 4 Jahren angetreten bin, habe ich es mir zur Aufgabe gemacht, Themen aus der Sicht einer Pflegefachfrau zu beleuchten, ich wollte zeigen, dass Pflegefachpersonen eben keine Hilfspersonen von Medizinern oder anderen Disziplinen sind, sondern eine eigene Profession. Ich wollte, dass der Pflegenotstand wahrgenommen wird und Lösungen gesucht und umgesetzt werden.

Eine Stimme sein. Das will ich auch heute. Doch um das sein zu können, muss ich mir einiger Dinge bewusst sein und diese auch nach aussen kommunizieren:

-        Ich bin eine One – Woman – Show. Alles was ich schreibe oder tue kommt von mir als Einzelperson. Das hat den Vorteil, dass ich nur für mich selbst verantwortlich bin, es begrenzt jedoch auch meine Möglichkeiten.

 

-        Pflegehexe sein ist nicht mein Broterwerb. Ich kann nicht eine Stimme aus der Pflege sein, wenn ich nicht selbst in der Pflege arbeite. Das Engagement als Pflegehexe ist so gesehen also eine Freizeitbeschäftigung. Und weil das so ist, muss es mir auch Spass machen, dies zu tun.

 

-        Worte sind meine Magie. Mein Instrument ist das Schreiben und manchmal auch das Sprechen. Darauf möchte ich mich in Zukunft fokussieren.

 

-        Für mich das Allerwichtigste: Es ist meins! Ich freue mich über Inputs, Diskussionen, Hinweise auf Themen und Einladungen. Dennoch bin ich freifliegende Hexe, und keiner hat ein «Anrecht» auf mich. Stellungnahmen, Kommentare und Austausch können erbeten, aber nicht verlangt oder erwartet werden. Ich bin die Pflegehexe, ich gebe meine Zeit, meine Energie und mein Herzblut, um eine Stimme sein zu können. Daher ist es mein Recht und auch meine Pflicht mir selbst gegenüber, zu selektionieren, was ich tue, schreibe oder sage und was nicht.

 

Zum Schluss möchte ich noch Danke sagen, für die ermutigenden und fürsorglichen Worte, als ich in den Sonnenuntergang geflogen bin und dass Ihr mir über zwei Monate, in denen ich Euch nichts gegeben habe, treu geblieben seid.

Ihr ermöglicht es mir, eine Stimme zu sein, die zunehmend auch wahrgenommen und gehört wird. Ohne eure Likes, Eure Kommentare und Euer Teilen, wäre alles das nicht möglich.

 

Es ist schön, wieder hier zu sein!

 

Eure Madame Malevizia

Donnerstag, 28. Mai 2020

Eine würdige Pflege



Am 25.5.2020 war in der Zeitung  Bund ein Interview mit dem Gesundheitsökonom Willy Oggier zu lesen. Thema war der Fachkräftemangel in der Pflege. Dieses hat für Pflegende an der Basis viel emotionalen Zündstoff. Wie so oft wird über unseren Berufsstand gesprochen, ohne, dass wir mit einbezogen werden.

Eigentlich finde ich es gut, wenn ein Problem aus möglichst vielen Blickwinkeln betrachtet wird. Nur so kann eine tragfähige Lösung gefunden werden. Dennoch sind mir die Aussagen von Herrn Oggier zu einseitig. Und die Fragen von Herrn Marti, dem Journalisten ebenfalls. Deshalb nehme ich hier erneut Stellung zu Themen, die wir in der letzten Zeit bereits mehrmals besprochen haben.

Das Thema Geld und Löhne

Natürlich ist es logisch, mit einem Ökonomen über Geld zu sprechen. Ich störe mich aber daran, dass der Eindruck erweckt wird, den Pflegenden mehr Lohn zu zahlen, wäre die Lösung des Fachkräftemangels. Den Wenigsten von uns geht es um mehr Geld, denn das wird unsere Arbeitsbedingungen nicht entscheidend verbessern. Ich will nicht mehr Lohn, ich will mehr Kolleginnen und Kollegen!

Äpfel mit Birnen vergleichen

Und da werde ich echt langsam stinkig. Erst kürzlich hat ein Politiker den Salär einer Pflegefachperson HF mit einer Grundausbildung verglichen. Dass dies falsch ist, brauche ich nicht zu betonen. Im Interview tut es nun der Journalist, was ich äusserst peinlich finde. Der Fachkräftemangel besteht nicht resp. weniger auf Stufe Grundausbildung, sondern auf der Tertiärstufe, und da wären wir in einer anderen Lohnkategorie. Also, wenn wir schon ständig über den Lohn diskutieren müssen, dann bitte mit den richtigen Fakten.

Der Markt spielt

Herr Oggier geht davon aus, dass der Markt spielt. Sprich, bei der grossen Nachfrage an Pflegefachpersonen sollte der Lohn von selbst steigen. Tut er aber nicht! Egal wo ich hinschaue, die Unterschiede sind gering. Und das hat aus meiner Sicht, damit zu tun, dass Gesundheitsinstitutionen eben nicht funktionieren wie jede andere x- beliebige Firma. Sie erfüllen einen Versorgungsauftrag und ihr finanzieller Spielraum, was die Löhne von Pflegefachpersonen betrifft, ist eng. Ich kann mir auch vorstellen, dass wir Pflegenden unseren Anteil daran haben, dass die Löhne nicht adäquat sind. Sollte ich Herrn Oggier jemals begegnen, würde ich sehr gerne über die Gründe dieses Phänomens diskutieren. Ich könnte mir vorstellen, dass wir zusammen einige spannende Lösungsansätze finden würden.

«Viele Pflegende arbeiten Teilzeit. Wenn man nun deren Löhne pauschal erhöht, besteht die Gefahr, dass viele ihr Pensum reduzieren.»

DieserSatz hat mich in der Diskussion zu den Löhnen irritiert:

Viele Pflegende (die Schreibende inklusive) arbeiten Teilzeit, weil sie ein Vollzeitpensum gesundheitlich gar nicht bewältigen können. Ein 100% Pensum im 3 Schichtbetrieb über 365 Tage im Jahr ist ein immerwährender Marathon, der unglaublich an die Substanz geht. Das nur mal dazu. Mühe macht mir bei dieser Aussage aber, dass sich offensichtlich keiner Gedanken darüber macht, warum das so ist und wie es geändert werden könnte. Ich persönlich bin überzeugt, verbessern sich die Arbeitsbedingungen, werden auch wieder mehr Pflegende Vollzeit arbeiten.

Umgekehrt würden auch mehr Mütter wieder in ihren Beruf zurückkehren, wenn sie mit einem Teilzeitpensum mehr verdienen würden, als die Unterbringung ihrer Kinder in der Kita sie kostet.

 

Der Akademisierungsvorwurf

Ich fasse das jetzt mal unter diesem Thema zusammen. Herr Oggier geht im Interview auch mit der Pflegeberufsschulen ins Gericht. Kann man machen. Auch ich bin nicht immer glücklich damit, dass in den Pflegeberufsschulen der Praxisbezug häufig fehlt oder verschwindend klein ist. Über dieses System lässt sich bestimmt diskutieren. Es ist aber nicht der Grund, weshalb viele Pflegende ihren Beruf aufgeben. Das sind die Arbeitsbedingungen. Zu Erfahren , nicht so pflegen zu können, wie es gelernt wurde. Zu Wissen, dass das Gelernte wurde, wirksam ist und dem Menschen um den es geht, helfen würde. Das ist unglaublich frustrierend und viele Frischdiplomierte zerbrechen an diesem Spannungsfeld. So gesehen komme ich nicht umhin zu vermuten, dass jene, die ständig schreien, die Pflege sei zu «akademisiert» sich wünschen, Pflegende wüssten nicht so viel. Dann würde ihnen ja das Spannungsfeld nicht mehr auffallen und sie nicht mehr regelmässig in ethische Dilemmas stürzen.

Wie Herr Oggier angemerkt hat, ist die Halbwertszeit von medizinischem Wissen kurz. Bei der Pflege ist das teilweise auch so. Genau deshalb lernen Pflegende, wie sie ein Thema sinnvoll recherchieren und es dann in der Praxis nutzen können. Genau deshalb sind Pflegeexpertinnen in der Praxis so unendlich wertvoll, weil sie das neueste Wissen in der Pflegeforschung in Standards für die Praxis integrieren und diese auch immer aktuell halten. Ein Grund mehr, weshalb Pflege studiert werden muss.

 

Zu den Fallpauschalen

Ich halte mich da kurz. Es ist mir grundsätzlich neu, dass die Fallpauschalen für uns Pflegende eingeführt wurden. Viel mehr ist es doch so, dass die Pflege in diesen kaum abgebildet ist, und wir uns die Finger wund dokumentieren, damit die Betriebe unsere Leistungen vor den Krankenkassen geltend machen können.

 

Die Digitalisierung wird es richten

Eine Annahme die nur jemand haben kann, der sich auf 1000 Metern Flughöhe befindet und deshalb nicht merkt, dass Pflege am Patientenbett stattfindet. Und in eben diesem Bett befindet sich ein Mensch, der nicht wie eine Maschine funktioniert und auch nicht von einer Maschine gepflegt werden kann. Herr Oggier hat eines nicht bedacht: In der Pflege fehlt es an nicht nur an Händen, sondern vor allem an KÖPFEN. Möglich, dass irgendwelche Roboter einmal Hände für uns sein können. Wenn ich allerdings sehe, wie mein Bedsidescanning – Gerät volle 5min braucht, bis es bestätigt, dass die Blutentnahmeröhrli korrekt beschriftet sind, eine Aufgabe für die ich «von Hand» keine 3Min brauche, zweifle ich daran, dass ich das noch erleben werde. Mit Kopf meine ich nicht nur das nötige Fachwissen um in Notfallsituationen egal welcher Couleur richtig zu handeln, oder solche gar nicht erst entstehen zu lassen. Mit Kopf meine ich auch das professionelle Auftreten und Einbringen im interdisziplinären Team. Ebenfalls zum Kopf gehört die Empathie, um individuell auf die Patienten einzugehen, um ihnen eben mehr zu bieten als nur die Versorgung, sondern eine würdige Pflege.

 

Fazit

Die Pflegeintitative ist im Parlament und ich stelle mit grosser Sorge fest, dass ökonomische Überlegungen höher gewichtet werden, als ethisch moralische Gesichtspunkte.

Noch immer versuchen viele Politikerinnen und Politiker das Problem zu negieren und weg zu argumentieren. Dieses Interview, stösst in eine ähnliche Richtung. Schade, ich fände die Diskussion, um eine sinnvolle Lösung wesentlich interessanter. Sollten sich da draussen Menschen finden, die das ähnlich sehen und sich einer solchen offenen Auseinandersetzung mit dem Thema stellen möchten: Ich bin da und ihr wisst, wo ihr mich finden könnt.

Herzlich, Eure Madame Malevizia.

 


Freitag, 1. Mai 2020

Madame Malevizias Korrespondenz - Mail an Ständerat Alex Kuprecht



Werter Herr Kuprecht,
Mit Interesse habe ich Ihre Diskussion mit Frau Yvonne Ribi  am 30.04. 2020 in der Sendung Forum im Radio SRF 1 verfolgt. Ich schreibe Ihnen als Pflegefachfrau, die seit sie 16-jährig ist, in der Pflege arbeitet. Nebenbei engagiere ich mich berufspolitisch in meinem Blog.
Einige Ihrer Aussagen haben mich verärgert und deshalb möchte ich auch dazu Stellung beziehen.

Sie haben das Salär von Pflegefachpersonen HF mit dem eines Sanitärinstallateurs verglichen. Das ist schlicht eine Frechheit! 
Nicht wegen des Sanitärinstallateurs, sondern weil Sie Äpfel mit Birnen vergleichen. Die Ausbildung Pflegefachperson HF beinhaltet insgesamt 6 (!) Jahre, sie befindet sich also auf Tertiärstufe und nicht auf der Stufe einer Berufslehre. Ich bitte Sie, sich entsprechend zu informieren, bevor Sie solche Aussagen tätigen.
Sie haben betont, dass viel Geld ins Gesundheitswesen fliesst. Das tut es, jedoch NIE in die Pflege! Im Gegenteil, in jeder Sparrunde, egal in welchem Kanton, wird im Gesundheitswesen gespart und jedes Mal, hat es die Pflege getroffen.

Zum Thema Akademisierung. Ich übernehme in der Nachtschicht die Verantwortung für 12 Patienten. Dabei muss ich wissen:
-        Welche Drainage führt von wo nach wo im Körper?
-        Wie sollte das, was da herausfliesst aussehen?
-        Was tue ich, wenn der Patient Schmerzen, Übelkeit, Atemprobleme, Rötungen hat?
-        Wie begleite ich einen Patienten im Sterben?
-        Wie sieht der Sterbeprozess aus?
-        Wie reanimiere ich einen Patienten?
-        Wie mobilisiere ich einen frisch operierten Patienten?
Ich könnte Ihnen diese Liste problemlos über 20 Seiten fortführen. Das lernt niemand innerhalb eines Jahres. Dieses Wissen abrufen zu können und in der Situation anzuwenden macht unseren Beruf so spannend und auch so anspruchsvoll.
«Brauchst du Köpfe oder Hände?» Das hat mich mal eine Pflegedienstleiterin gefragt. In der jetzigen Situation brauchen wir Köpfe, die die Fäden in der Betreuung von kranken Menschen, deren Situationen meist hochkomplex sind,  in der Hand halten können. Das wird eine Fachfrau Gesundheit nicht alleine leisten können, jedenfalls nicht in einem Akutspital. Und auch in den Pflegeheimen, kann die Pflegequalität nicht aufrechterhalten werden, wenn der Anteil an Pflegefachpersonen HF weiterhin sinkt.

Zu Ihren Äusserungen zur COVID – 19 – Krise und Zulage. Frau Ribi hat Ihnen erklärt, was diese Krise für uns bedeutet hat. Für ALLE von uns. So habe ich bis letzte Woche 12 – Stundenschichten gemacht. Meine Station war immer ausgelastet und das nicht zu knapp. Abgesehen davon, dass ich extrem Mühe habe, dass jetzt schon Stimmen laut werden, die finden, «War ja alles nicht so schlimm!» Wir in der Deutschschweiz dürfen einfach nur dankbar sein, dass die Massnahmen des Bundes gegriffen haben. Und eine Garantie, dass es so bleibt, haben wir nicht.

Sie haben mehrmals betont, wie lange Sie Mitglied in der Gesundheitskommission sind. . Schon deshalb bin ich einigermassen entsetzt, dass sie a) so wenig über die Ausbildung von Pflegefachpersonen und b) noch weniger über die Anforderungen dieses Berufes wissen. Sollten Sie ernsthaft gewillt sein, ihre Wissenslücken zu schliessen, stehe ich Ihnen sehr gerne zur Verfügung. 

Nun wünsche ich Ihnen Gesundheit, das höchste Gut, das keiner kaufen kann und verbleibe mit Freundlichen Grüssen 

Madame Malevizia

Ps. Ich mache Sie darauf aufmerksam, dass dieses Mail, sowie eine allfällige Antwort auf meinem Blog und meiner Facebookseite veröffentlicht werden.
Ebenfalls finden Sie im Anhang meinen Steckbrief, damit Sie wissen, mit wem sie es zu tun haben.